Menschenwürde und Scham ist ein Thema für alle, die mit Menschen arbeiten

Scham ist eine schmerzhafte, oft übersehene Emotion, die in jeder Arbeit mit Menschen akut werden kann, zum Beispiel:

  • in Medizin und Altenarbeit, bei der Pflege intimer Körperregionen oder wenn Kranke sich ihrer Hilfsbedürftigkeit schämen,
  • in der sozialen Arbeit und Seelsorge, wenn Menschen sich ihrer Arbeitslosigkeit oder Armut schämen,
  • in der psychologischen Beratung oder Therapie, wenn Klienten sich ihrer psychischen Probleme schämen oder dafür, dass sie missbraucht wurden,
  • in der Schule, wenn Schüler mit einer Aufgabe gescheitert sind oder wenn sie von Mitschülern gehänselt, bloßgestellt oder ausgegrenzt werden,
  • in der interkulturellen Kommunikation, wenn unterschiedliche Auffassungen von Intimität, Schande und Ehre aufeinanderprallen,
  • für Führungskräfte, wenn es darum geht, Fehler zu benennen oder wenn Mitarbeiter gemobbt werden.

Unerkannte Schamgefühle können zu Kontaktabbruch, Depression, Burnout, Sucht oder Suizid führen – oder in Zynismus, Trotz oder Wut umschlagen, wodurch das Klima einer Einrichtung, Schule oder eines Betriebs vergiftet wird.

Daher ist es für alle, die mit Menschen arbeiten, wichtig, Scham zu erkennen und konstruktiv mit ihr umgehen zu können. Denn Scham ist zwar schmerzhaft, hat aber auch positive Aufgaben: Sie ist, so Leon Wurmser, "die Wächterin der Menschenwürde".

Menschenwürde ist oberstes Prinzip des deutschen Grundgesetzes.

Gleich Artikel 1, Absatz 1, lautet: "Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt." Dies bedeutet, dass auch Staatsbedienstete die Menschenwürde zur Grundlage ihres Handelns machen und entsprechend geschult werden sollten.